Nervenschmerzen
Nervenschmerzen
Die Begutachtung von Schmerzen ist eine interdisziplinäre ärztliche Aufgabe und erfordert Kompetenz sowohl zur Beurteilung körperlicher als auch psychischer Störungen. Für den Ablauf der Begutachtung ergeben sich hieraus zwei Schritte:
Zunächst Beurteilung des Anteils der durch Schädigungen des Nervensystems und anderer Gewebearten erklärbarer Schmerzen. Ergeben sich hierbei Hinweise auf eine psychische Komorbidität sollte ergänzend eine psychiatrische bzw. psychosomatische Begutachtung ergänzend erfolgen.
Hintergrund neuropathischer Schmerzen
Nervenschmerz oder neuropathischer Schmerz entsteht als direkte Folge einer Schädigung von sensiblen Fasern („Gefühlsfasern“) des Nervensystems.
In diesem Punkt unterscheiden sich neuropathische Schmerzen grundsätzlich von allen anderen Schmerzen, zum Beispiel Rückenschmerzen, Kopfschmerzen oder Tumorschmerzen. Verantwortlich ist eine der Nervenschädigung folgende Aktivierung der Schmerzbahn, also für die Wahrnehmung von Schmerz verantwortlichen Nervenendigungen.
Sie kann verschiedene Gewebe – oft ausgehend von der Haut – oder auch Rückenmark oder Gehirn betreffen. Für den Nachweis neuropathischer Schmerzen ist es wichtig, Verteilungsmuster, Stärke und Qualität der Schmerzen, also beispielsweise ihren brennenden, bohrenden, einschießenden oder stechenden Charakter, zu erheben.
Die Beschwerden treten oft in Ruhe auf und können leicht ausgelöst werden, d.h. schon eine leichte Berührung, die normalerweise keine Schmerzempfindung auslöst, führt zu Schmerzen (Allodynie). Zudem weisen Betroffenen häufig eine verstärkte Schmerzempfindlichkeit auf schmerzauslösende Reize auf (Hyperalgesie).
Wie wird ein neuropathischer Schmerz festgestellt?
Eine schmerzhafte Nervenschädigung, d.h. ein neuropathischer Schmerz ist immer dann anzunehmen, wenn die auftretenden Gefühlsstörungen dem Versorgungsgebiet eines Gefühlsnervs (sensorischen Nervs) im Gewebe entsprechen. Gleiches gilt, wenn sich das Muster der Schmerzausbreitung mit dem Versorgungsgebiet einer geschädigten Nervenwurzel, eines Rückenmarkabschnittes oder Gehirnbereiches deckt.
Bei Verdacht auf ein sogenanntes „komplexes regionales Schmerzsyndrom“, früher auch Morbus Sudeck genannt, empfehlen Experten die 3‑Phasen-Skelettszintigraphie zur Abklärung, wenn die Schmerzen mit Hautveränderungen, Schwellungen und Durchblutungsstörungen einhergehen.
Sind die Nervenstrukturen im Rückenmark oder im Gehirn betroffen, müssen bildgebende Verfahren, die Untersuchung der Hirnflüssigkeit sowie neurophysiologische Messungen eingesetzt werden, um die Verletzung genau zu lokalisieren.
Spezialfall Karpaltunnelsyndrom
Das Karpaltunnelsyndrom (KTS oder CTS) ist das häufigste Nervenkompressionssyndrom. Es wird durch eine Verengung im Handgelenksbereich, im sogenannten Karpaltunnel hervorgerufen. Dies führt zu einer Druckschädigung des Medianus Nerven. Frauen sind dreimal häufiger betroffen als Männer.
Die Nerveneinengung – und damit auch der Schmerz – kann kurzfristig sein oder andauernd und chronisch werden. Gelegentlich strahlen diese Schmerzen dann auch in den gesamten Arm aus. Ein Taubheitsgefühl in den Fingerspitzen mit vermindertem Feingefühl, Schwierigkeiten bei der Feinmotorik, Schwäche beim Greifen, Fallenlassen von Gegenständen, sind typische Beschwerden.
